Demokratie und wirtschaftlicher Erfolg sind untrennbar miteinander verbunden – doch diese Erkenntnis ist nicht selbstverständlich. Judith Borowski, langjährige Geschäftsführerin der renommierten Uhrenmanufaktur NOMOS Glashütte, setzt sich entschieden für die Verbindung von unternehmerischer Verantwortung mit demokratischer Haltung ein. In dieser Folge spricht sie mit Stefan Lingner über die Frage, warum Wirtschaft nicht neutral gegenüber Demokratie sein kann und welche Verantwortung Unternehmen in unsicheren Zeiten tragen.
In dieser Folge
Judith Borowski nimmt uns mit auf eine Reise von der friedlichen Revolution in Ostdeutschland bis zur internationalen Erfolgsgeschichte von NOMOS Glashütte. Sie erzählt, wie die Manufaktur nach dem Mauerfall wieder aufgebaut wurde und wie Demokratie die Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg bildet. Ein besonders beeindruckendes Zitat verdeutlicht dies: „Wir verdanken die Existenz von NOMOS Glashütte der Demokratie, wie fast hundert Prozent der Unternehmen in Ostdeutschland ihre Existenz der Demokratie verdanken."
Im Gespräch wird deutlich, dass demokratisches Design nicht nur ein schönes Ideal ist, sondern eine konkrete Unternehmenshaltung, die gelebt und täglich umgesetzt werden muss. Judith Borowski beschreibt, wie sie NOMOS zu einer Marke geformt hat, die Werte nicht nur nach außen kommuniziert, sondern sie auch im Inneren des Unternehmens verankert. Wie können Unternehmen zu Orten der Begegnung und Vermittlung werden?
Die Diskussion berührt auch die Rolle des Ostens als Frühwarnsystem für Demokratierisiken. Judith Borowski hat die Transformationen der letzten Jahrzehnte hautnah miterlebt und zieht daraus Lektionen für die gegenwärtige Zeit. Sie argumentiert leidenschaftlich dafür, dass Unternehmer nicht neutral bleiben dürfen, wenn es um den Schutz und die Gestaltung der Demokratie geht.
Dieses Gespräch ist ein Plädoyer für unternehmerischen Mut in unsicheren Zeiten und eine klare Antwort auf die Frage: Kann die Wirtschaft sich wirklich aus demokratischen Belangen heraushalten? Judith Borowski beantwortet sie mit einem klaren Nein – und erklärt warum das gut für Unternehmen und die Gesellschaft ist.
"Demokratie ist kein Supermarkt. Wir müssen alle die Regale befüllen, damit wir wieder was rausnehmen können."
Judith Borowski
Judith Borowski war rund ein Vierteljahrhundert Geschäftsführerin der Uhrenmanufaktur NOMOS Glashütte und prägte die traditionsreiche ostdeutsche Marke zu internationaler Anerkennung. Sie war lange als Journalistin tätig, bevor sie zur Wirtschaft wechselte, und engagiert sich entschieden für die Verbindung von unternehmerischer Verantwortung mit demokratischer Haltung. 2024 wurde sie für ihr Wirken mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Ihre Perspektive verbindet historisches Bewusstsein mit klaren Forderungen an die Verantwortungsethik der Wirtschaft.